Das Märchen vom Popen und seinem Knecht Balda

Das Märchen vom Popen und seinem Knecht Balda

Eine Oper nach Dimitri Schostakowitschs Komposition zum Märchen von Alexander Puschkin.

Picknick mit selbstmitgebrachten Frühstück, Tee vom Haus und Oper im Garten der Alten Möbelfabrik

Ein junger Held ohne Arbeit, ein reicher Pope, der nicht bezahlen will und eine verliebte Tochter – wer schickt da wohl wen zum Teufel?
103 kg Lebendgewicht verteilt auf 2,28 Meter: Auf dem Markt bietet Held Balda seine Arbeitskraft an, doch trotz perfekter Präsentation will ihn keiner einstellen. Dabei würde er beim Teufel selber arbeiten, nur um endlich Arbeit zu haben. Der Zufall will es, dass ein reicher Pope einen jungen, starken Knecht sucht, der alles kann – aber nichts kosten soll. Die beiden werden sich einig und ein ungewöhnlicher Lohn wird ausgehandelt – drei Nasenstüber soll der Pope von Balda nach einem Jahr erhalten. Gier und Geiz des Popen siegten über die Angst vor der Kraft seines neuen Knechts. Die Tochter des Popen ist von Anfang an von Balda begeistert, was der Pope gar nicht gerne sieht. Und dann steht auch noch die Auszahlung des Jahreslohns vor der Tür. Da hilft nur eine zündende Idee: Der Pope schickt Balda mit einem Auftrag zum Teufel.

Dimitri Schostakowitsch hat mit der Partitur zu einem der populärsten russischen Volksmärchen, das Puschkin in Verse gefasst hat, ein Meisterwerk des Musiktheaters geschaffen. Es ist ihm gelungen mit sehr einfachen, prägnanten musikalischen Mitteln auch Erwachsenen und Kindern, die bis dato noch keine Erfahrung mit klassischer Musik hatten, einen Zugang zu dieser Kunstgattung zu ermöglichen. Die Musik sprudelt vor melodischen und rhythmischen Einfällen.

Die großartige musikalische Bearbeitung für drei Sänger und Akkordeon stammt von Heiner Frauendorf, die originelle Textfassung von Steffen Thiemann. Musikgenuss von 9 bis 99!

Musikalische Bearbeitung: Heiner Frauendorf
Regie: Alexander Herrman
Bühne/Kostüme: Gabi Bartels
Lichtdesign: Felix Grimm
Akkordeon: Valentin Butt/Heiner Frauendorf
Mit: Viktor Köpke, Ingo Volkmer und Birgit Wagner

Bei schlechtem Wetter findet das Frühstück im Haus und die Vorstellung im Theater statt.

TERMINE

    PRESSE

    KINDEROPER „ZUM TEUFEL“ (ZITTY 5/2007, HERMANN-JOSEF FOHSEL)
    Zeit seines Lebens hat Dimitri Schostakowitsch auch fürs Kino komponiert. Entstanden sind so über 30 Filmkompositionen. So auch für den Zeichentrickregisseur Michail Zechanowski, der Puschkins Märchen vom Reichen Popen und seinem Knecht Balda verfilmen wollte. Leider wurde dieses Filmprojekt nie vollendet. Und so verschwand Schostakowitschs herrlich wilde, von Walzer- und Tangorhythmen durchsetze Musik im Archiv des Vergessens.
    Anlässlich von Schostakowitschs 100. Geburtstag hat das Schlossplatztheater in Köpenick eine prima Fassung erstellt. Worum geht´s in diesem populären russischen Märchen? Ein reicher Pope engagiert den starken Knecht Balda. Da er aber geizig ist, möchte er keinen Lohn zahlen und versucht den Knecht loszuwerden, indem er ihn zum Teufel schickt. Das geht natürlich schief. Balda trickst nicht nur den Teufel aus, sondern auch den Popen und bekommt zum Schluss auch noch des Popen Töchterlein.
    Regisseur Alexander Hermann hat daraus ein höchst amüsantes Spektakel für Groß und Klein gemacht. Mit dazu beigetragen haben auch die musikalische Bearbeitung von Heiner Frauendorf für drei Sänger, Akkordeon und Balalaika und die sehr engagiert agierenden Sängerdarsteller.


    ZUR HÖLLE MIT DEM POPEN
    (TAGESSPIEGEL 3/2007, FRIEDERIKE SANDER)
    Dass in einem alten Märchen von Alexander Puschkin ein trotteliger Held namens Balda herumspringt und Sachen wie „Knecht ist geil“ von sich gibt, hört sich ja erst mal total seltsam an. Doch schon nach kurzer Zeit beginnt das Stück „Zum Teufel“ im Schlossplatztheater Köpenick richtig lustig zu werden. Nachdem Balda sich unsterblich in Sonja, die Tochter des Popen, verliebt hat, heuert er bei ihrem Vater als Knecht an. Der überaus geizige Pope will nach einem Jahr erledigter Arbeit Balda seinen Lohn nicht auszahlen. Darum schickt er ihn in die Hölle mit dem Auftrag, das Geld zu beschaffen, das der Teufel dem Popen angeblich schuldig ist. Von dieser Reise soll Balda natürlich nie mehr zurückkehren. Er schafft es jedoch, den Teufel und dessen anrüchige Großmutter zu besiegen und kehrt als Sieger zurück, um seine Sonja zu heiraten.
    Die Oper wird von drei Darstellern mit Akkordeon und Mandoline aufgeführt. Der Pope ist gleichzeitig noch die Großmutter des Teufels, die dem armen Balda Teufelskacke anbietet, und der Fährmann, der sein Boot über den Fluss des Todes fährt. Die Darstellerin, die Sonja verkörpert, ist noch für den Teufel zuständig, und nur der Knecht Balda bleibt die ganze Zeit über er selbst. Es wird auch immer wieder getanzt. Einmal trommelt der Pope sogar mit seinen Geldscheinen auf dem Tisch.
    Die Musik für die Oper schrieb Dimitri Schostakowitsch. Das Stück ist geeignet für Menschen ab neun Jahren. Für kleinere Kinder ist es zu unheimlich.

    HELDEN DER ARBEIT (TAZ BERLIN 12/2006, NIKLAUS HABLÜTZEL)
    Das kleine Köpenicker Schlossplatztheater macht alles richtig mit Puschkins Märchen von Pope und Knecht
    Das ganze Theater ist nicht viel größer als ein Wohnzimmer. Ein prächtiger roter Vorhang trennt die Bühne von den paar Zuschauersitzen. Mehr ist nicht nötig für das uralte Geheimnis: Wenn er aufgeht, sehen wir tiefer in die Welt hinein, er ist die magische Grenzen zur Wahrheit, die man eben nur manchmal überschreiten kann.
    Allein für diesen Raum lohnt sich die Anfahrt. Jetzt, kurz vor Weihnachten, öffnet sich der Vorhang für ein Märchen, das auch Kinder verstehen können, obschon es einen überaus vertrackten doppelten Boden hat. Es stammt von Alexander Puschkin und wird hier gespielt mit der Musik, die Dimitri Schostakowitsch zu einem Zeichentrickfilm über ebendiesen Stoff geschrieben hat. In „Zum Teufel“ geht es um einen bauernschlauen Riesen. Er ist so blöde, dass er für einen raffgierigen Popen auch ohne Entlohnung schuftet, solange er ihm dafür einmal im Jahr drei Nasenstüber versetzen darf. Diesen strammen Held der Arbeit schickt der Pope in die Hölle, um dort das Geld zu holen, das der Teufel ihm angeblich schuldet. Stur marschiert der Knecht los, überwindet den Todesfluss und hat den Teufel samt Großmutter – buchstäblich – in die Pfanne, kehrt mit dem Geld zurück und heiratet die Popentochter.
    Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute. Der Akkordeonist Heiner Frauendorf hat Schostakowitschs Filmmusik so ingeniös für sein Instrument eingerichtet, dass die unter der Oberfläche lauernde Satire auf die stalinistische Mythologie des Arbeiterhelden noch immer hörbar ist. Die ideologisch verordnete Volkstümlichkeit von Liedern und Tänzen klingt gerade in der Akkordeonversion so absurd schrill wie ständiges Hohngelächter. Sie macht es den Darstellern auf der Bühne leicht, den bösen Witz des Märchens auszuspielen. Was ihnen an Handwerk und Stimme fehlt, machen sie durch ihre vollkommen unprätentiöse, ehrliche Spielfreude wett. Wieder wird das uralte Geheimnis des Theaters spürbar, die Verzauberung durch bunte Kulissen und Kostüme, das Sprechen und Singen von Rollen, die uns verwandeln und uns Dinge sagen lassen, die wir sonst nie sagen könnten.
    Keine Sekunde Langeweile kommt auf, dann fällt der Wundervorhang. Seit zehn Jahren, so steht es im Treppenhaus, wird hier Theater gespielt. Viel besser sogar als an anderen, berühmteren Orten. Das merkt man daran, dass es im Kopf weitergeht. Helden der Arbeit sind wir ja alle, und der Gedanke, wie absurd das doch ist, bleibt hängen.

    AM ENDE SIEGT NATÜRLICH DIE LIEBE (ND 12/06, ROBERT MEYER)
    Das Schlossplatztheater zeigt die Schostakowitsch-Oper „Zum Teufel“
    Der Schein trügt manchmal, was schwach erscheint, erweist sich als stark, und was stark als schwach. Märchen spielen gerne mit Gegensätzen und kehren am Ende die Vorzeichen um. Die Gier ist eine Eigenschaft, die in Märchen zu den verdammenswerten gehört, was ein reicher Pope ganz bitter zu spüren bekommt. Mit „Zum Teufel“ zeigt das Schlossplatztheater in Köpenick das Märchen vom Popen und seinem Knecht Balda. „Zum Teufel“ ist ein beliebtes russisches Volksmärchen, das von Alexander Puschkin in Verse gefasst und von Dimitri Schostakowitsch vertont wurde.
    Unter der Regie von Alexander Herrmann inszeniert die Köpenicker Bühne das Volksmärchen sehr liebenswürdig und mit vielen guten Ideen. Die Geschichte ist eine klassische Märchenstory mit all den Elementen, die so dazugehören. Schön gemacht auch die Bühnenbilder, für die Gabe Bartels verantwortlich ist.
    Die Geschichte: Ein reicher Pope sucht einen jungen, starken und geschickten Knecht, der aber nicht kosten darf und stößt dabei auf Balda, der zeitweilig wie ein moderner Prekarier erscheint. Die beiden werden sich einig, und ein ungewöhnlicher Lohn wird ausgehandelt: Drei Nasenstüber soll der Pope von Balda nach einem Jahr erhalten. Gier und Geiz des Popen siegen über die Angst vor der Kraft seines neuen Knechts. Die Tochter des Popen ist in Balda verliebt, was der Pope nicht gerne sieht.
    Als die Auszahlung des Lohns bevorsteht, hat der Pope die rettende Idee: Balda soll die Hölle aufsuchen und dort vom Teufel Schulden eintreiben. Der Pope hofft, dass der Knecht von diesem Auftrag nicht zurückkehrt. Balda macht sich auf den Weg und landet schließlich an einem Fluss, der die Hölle vom Reich der Lebenden trennt. Mit dem Fährmann geht er einen Handel ein, um übergesetzt zu werden.
    Das alles wird bunt in Szene gesetzt, schön erzählt und mit reichlich Einfällen dargeboten, hergestellt werden dabei auch Bezüge zur gegenwärtigen Arbeitsmarkssituation – am Ende aber siegt natürlich die Liebe.
    Ein Stück für Kinder und Erwachsene. Es singen und spielen Viktor Köpke, Ingo Volkmer und Birgit Wagner, Musik macht Heiner Frauendorf.